Episode 2: Da ist das Ding: Yamaha XT 600 Z Ténéré (3AJ) endlich in Berlin

in Hit the Road

Was ´ne Tour. Morgens den Caddy eines Freundes mit Anhängerkupplung abgeholt, im Anschluss dann den Hänger von meiner Stammwerkstatt. Anschliessend auf nach Werra in der Nähe von Eisenach. Und alles für ein olles Motorrad. Verrückt! Aber hat sich gelohnt. Ein Rückblick.

400 Kilometer, die sich erstaunlich gut abspulten. Um 16.30 Uhr traf ich dann Gunnar, den Besitzer meiner Traummaschine. Ich hatte mit ihm bereits über mehrere Wochen bezüglich der Tènèrè via Mail in Kontakt gestanden. Wir tauschten Fotos und technische Details aus, bis ich dann schlussendlich das Wochenende 7./8. Dezember als Anreisetag terminierte. So sollte es dann auch kommen. Was soll ich sagen? Gab es vorher eventuell noch Bedenken bezüglich des möglichen Zustands der Maschine, was auf Distanz ohne Sichtung und Probefahrt ja nicht unnormal ist – wobei ich eigentlich recht zuversichtlich war – stellte ich umgehend fest, das mir nicht zu viel versprochen wurde. Vort Ort stand eine 3AJ mit Erstzulassung 1991 in einem sehr guten technischen und optischen Zustand – im Retro Chesterfield Look – und zu einem sehr, sehr fairen Preis. Aber von Vorne.

Vier Tènèrès für Namibia

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Aufgeladen und los geht die Fahrt von Thüringen gen Berlin. – Foto: © Tim Schäfer

Wie kam es dazu? Kein Hexenwerk, sondern ganz klassisch über eine Anzeige auf eines der bekannten Portale für Gebrauchtes mit Motor. Hier surfte ich regelmäßig auf der Suche nach einem guten Angebot des Dakar Klassikers. Irgendwie hatte ich seit einiger Zeit einen Narren an dem Modell gefressen. Vor ein paar Wochen fand ich dann eine Anzeige aus Thüringen mit einer schicken 3AJ. Da ich aber aufgrund der Distanz von knapp 400 Kilometern nicht mal schnell vor Ort sein konnte, um mir einem persönlichen Überblick zu verschaffen, hatte es sich dann, trotz guter Konditionen, für mich erledigt. Fazit: Netter Kontakt. Tolle Maschine, aber leider nicht für mich. Sad but true.

Alles viel zu teuer

Die angebotene 600Z war dann auch schnell wieder weg aus dem Netz. Alle anderen Ténéré Angebote auf dem Markt waren preislich mit Ü-3000 € doch arg überhitzt. Zudem hatte ich mir gerade die Suzuki DR600 gekauft und befand nicht nur meinen Fuhrpark als etwas ausgelastet, sondern auch das Portemonnaie stieß langsam an seine Grenzen. Zumal man im Winter ja eher einen schlankeren Fuß fährt, sprich meine XT eigentlich reichen würde. Also, abgehakt und auf irgendwann später verschoben. Dachte ich zumindest und stürzte mich voller Tatendrang auf meine XT600. Neuer Lenker, Kofferträger samt Tesch Alu Taschen. Kurz: Pimpen für ne längere Tour im kommenden Frühjahr. Den kleinen Tank wollte ich mit ner externen Lösung kompensieren. Die Ersatzdinger sahen alle Sch***e aus. Zudem aus Plastik.

Manchmal kommt es anders, als………

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Ikonische Front und alles im Blick. – Foto: © Tim Schäfer

Ein paar Tage vergingen. Ich hatte mich an mein Schicksal ohne Tènèrè, sicherlich kein schlechtes, gewöhnt. Plante auf Hochtouren den Ausbau meiner XT. Bis eines Tages eine E-Mail von Gunnar, dem Verkäufer der Tènèrè aus Thüringen, ins Postfach flatterte. In dieser erkundigte er sich, ob mein Interesse noch bestünde und bot mir, nachdem ich dies erneut bekundete, eben jene Maschine im Byrd’schen Chesterfield Look an, die ich nun mein Eigen nenne. Da ich mich kurz vorher von einer XJR 1200 SP getrennt hatte, die bereits seit August inseriert war und lange brauchte, um einen neuen Besitzer zu finden, passte es vom Timing her wie A**** auf Eimer.

Das Tènèrè Quartett, Trio, Duo, Singlebike

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Nachts angekommen in Berlin. Auch das rückwärts Einparken hat sie gut überstanden. – Foto: © Tim Schäfer

Was mich bei der Sache natürlich interessierte: Woher hatte der Mann zwei Ausgaben dieses schönen Motorrades? Was er im Schriftverkehr unter, «lange Geschichte, erzähl ich dir später», abtat, offenbarte sich dann auf Nachfrage vor Ort in einer detaillierteren Version. Ursprünglich hatte der 49-jährige Familienvater nicht zwei, sondern sogar vier Tènèrès bei sich stehen. Vor einigen Jahren hatte er diese aus diversen Ecken, zwei waren aus Cuxhaven, zusammengesammelt und wieder fit gemacht. Der Grund: Er wollte das Enduro-Quartett nach Afrika, genauer Namibia, verschiffen und dann zusammen mit einem dort heimischen Freund Touren für Motorradtouristen anbieten. Er selbst hatte so eine gemacht und war nachhaltig begeistert. Und stark angefixt, wie man an seiner Kaufreaktion merkte. Und warum die Tènèrès?

«BMW war zu teuer und dort unten an Ersatzteile zu kommen ist nicht einfach». – Gunnar

Also musste Yamahas Tausendsassa her. So der Plan, aus dem dann……. leider nichts wurde. Der Freund übernahm sich mit einer Unternehmung und so standen fortan vier Enduro-Schmuckstücke in einer Werkstatt/Garage in Thüringen und warteten auf….. Ja worauf denn eigentlich? Trennen wollte sich Gunnar anfangs nicht von seinem Traum. Ob aus dem Glauben heraus, dass es irgendwann vielleicht ja doch nochmal klappen könnte mit Namibia oder weil es einfach schöne Maschinen sind, die man, einmal  gefahren, einfach nicht mehr ziehen lassen will?

Irgendwann war es dann soweit

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Der italienische Chesterfield Werksteamfahrer Franco Picco setzt zum Sprung an. Foto: © www.rallye-tenere.net

Nachdem jedoch einige Zeit ins Land gezogen waren, die heimische Garage aus allen Nähten platze und ohne großes Rumgeschiebe nichts mehr vor oder zurück ging, sagte er sich von einem der Modelle dann doch los. Ein Freund wurde der neue Besitzer. Damit schien der Knoten geplatzt. Wobei nochmal zwei Jahre ins Land zogen, in denen er hin und her überlegte, ob oder ob nicht. Verkaufen? Behalten? Beiseite schieben. Schliesslich entschied sich Gunnar die zweite Maschine seiner Sammlung zu inserieren. Jene, die mir via Anzeige begegnete, und über die der erste Kontakt entstand. Nummer 3 habe ich dann glücklicherweise übernommen. Und bevor ihr jetzt anfangt nach Thüringen und Tènèrè zu googeln, es bringt nichts. Die vierte und letzte Maschine bleibt in Gunnars Obhut, wird gefahren und paßt nirgendwo besser hin, als dort wo sie ist. Was für eine Geschichte. Ich freue mich, nun ein Teil davon zu sein.

Eine geht, die Ténéré kommt!

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Neuer Lenker. Neue Griffe. Kleinigkeiten bis zur Fahrfreude. – Foto: © Tim Schäfer

Nun ist sie also Mein und ich bin mehr als glücklich. Heute morgen habe ich sie gleich nach dem Aufstehen in die Werkstatt gefahren. Neue Reifen, neuer Lenker plus Griffe (der alte ist ein bisschen schmal, die Griffe durch) und noch ein, zwei andere minimale Korrekturen, dann dürfte sie Dienstag durch den TÜV – toitoitoi – und in der Folge bereits am kommenden Donnerstag bei der Zulassungsstelle neue Berliner Papiere bekommen. Dann heißt es endlich: Willkommen in Berlin Yamaha XT 600 Z Ténéré! Wir werden viel Spaß miteinander haben. Und wer weiß, vielleicht zeige ich dir auch mal den Teil Afrikas, dem dein Name zugrunde liegt. Oder besser, zeigst du mir. Kennst dich da sicherlich besser aus. Bock hätte ich schon jetzt. Auf eine gute abenteuerlustige gemeinsame Zeit! Ich kann es kaum erwarten.

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